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Auf einen Blick:

- Santiago Atitlán liegt am Südufer des Lago Atitlan.

- Die Stadt hat knapp 35.000 Einwohner und ist ein wichtiges Touristenzentrum.

- Santiago Atitlán blickt auf eine lange und stolze Geschichte. Unter dem Namen Chiya war es früher Haupstadt des Tzu'tujil Reichs.

- Santiago Atitlán liegt eingettet zwischen den drei Vulkanen San Pedro, Toliman und Atitlán.

- Der Ort ist berühmt für seine Karfreitagsprozession, seine Webkunst und natürlich als Heimstatt des Maya Gott Maximón.


Flagge Guatemala

 


 

 


Santiago Atitlán



Santiago Atitlán liegt am Südufer des Atitlán und gilt als eines der wichtigsten Touristenziele überhaupt. Der Ort liegt eingebettet zwischen den drei Vulkanen San Pedro, Toliman und Atitlán und ist bekannt vor allem für seine Karfreitag Prozession. Angeblich kann der Umzug es sogar mit Antigua aufnehmen, das ansonsten als das kulturelle Mekka zu Ostern gilt.

Wo wir schon bei Religion und Festen sind; Santiago ist in dieser Hinsicht recht interessant. es scheint ein trautes Miteinander verschiedener Religionen zu geben. Die Osterprozession schließt sogar Maya Idole mit ein. Im Ort soll es sagenhafte 35 evangelikale Tempel geben, was auch immer das heißt. Ob es stimmt, habe ich nicht nachgeprüft, zumal ich mit dem Begriff "evangelical temple" nicht viel anfangen kann. Ich glaube es aber einfach mal und trage es hiermit weiter. Ein besonderes Highlight in dem Zusammenhang ist, der zwar religiöse, vom Standpunkt der Kirche sicher aber ganz furchtbar heidnische Maya Gott Maximón. Das ist aber nicht so ganz untypisch, wie der Kult um den Heiligen Martin beweißt, der in Santiago auf ganz besondere Weise zelebriert wird.


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Mittlerweile sollen in Santiago gut 35.000 Menschen leben. Das hört sich nicht nur viel an, das ist viel. Die Stadt ist ein Zentrum für Weberei und Kunstgewerbe. Angeblich gibt es hier auch ganz besonders guten Kaffee, das würde ich aber unter "Geschmackssache" abhaken. Mir ist der Kaffee in Guatemala zu schwach und zu süß. Ich konnte da keinen Unterschied schmecken.



Eine kurze Geschichte der Stadt

Santiago Atitlán ist ein Ort mit großer Geschichte. Die Tzu'tujil hatten hier ihre Hauptstadt Chiya und diese galt als eine der größten und wichtigsten Mayasiedlungen von Mittelamerika. Die Tzutujil Maya hielten sie für den Mittelpunkt des Universums. Die Bewohner galten als Krieger. Chiya unterdrückte seine Nachbarn mit großer Vehemenz. Das Ende der alten Siedlung kam erst mit der Ankunft der Spanier. Sie zwangen auch die letzten Bewohner der alten Hauptstadt, in die neue Siedlung Santiago zu ziehen. Die Überreste der alten Hauptstadt kann man noch ganz gut erkennen.


Hauptkirche Santiago AtitlanDie Bewohner von Santiago gelten als freiheitsliebend, man könnte auch sagen aufmüpfig. Man nennt sie auch "Atitecos". Ein gutes Beispiel für die Aufmüpfigkeit war der Aufstand von 1990. Die achtziger Jahre waren nicht unbedingt Guatemalas glücklichste Zeit und der Bürgerkrieg erfasste natürlich auch die Gegend um den Atitlán. Die guatemaltekische Armee spielt in dem Konflikt allgemein keine besonders heroische Rolle und so war es auch hier.


Die Uniformierten kamen, bauten ein temporäres Camp und terrorisierten von dort aus die Umgebung. Aus einem kurzen Aufenthalt wurden 10 Jahre und wie es in diesen dunklen Tagen so lief; am Ende hatten rund 1000 Bewohner der Stadt bei irgendwelchen "Zwischenfällen" ihr Leben verloren und die Armee war immer noch da.


Am 2. Dezember 1990 platzte den Einheimischen jedoch der Kragen. Das Camp hatte einen neuen Kommandeur bekommen und der führte sich auf, sagen wir mal so, seine Manieren ließen zu Wünschen übrig. Bei dieser speziellen Gelegenheit interessierte er sich, voll wie ein Amtmann für eine lokale Schönheit. Mit zwei Saufkumpanen zog er zu ihrem Haus und sie versuchten, die Tür aufzubrechen.

Santiago AtitlanDie Eltern des Mädchens riefen um Hilfe und sie wurden erhört. Die Nachbarn kamen und waren entsetzt. Statt ihn zu lynchen, versuchten sie, den Kommandeur zu verhaften. Ihm gelang es aber noch, einen Schuss in die Luft abzusetzen. Der wurde im Camp gehört und eine Gruppe Soldaten ausgesandt. Die trafen in der Stadt auf die Einheimischen, wie sie den Kommandeur zum Gefängnis schleifen wollten.

Das sah nicht gut aus und in dem folgenden Handgemenge, wurde ein Junge schwer verletzt. Die Soldaten befreiten ihren Vorgesetzten aber so leicht ließ man die Soldaten nicht vom Haken. Die Kirchenglocken wurden geläutet, ein Mob formte sich und die Sache geriet außer Kontrolle. Menschen starben. Was erwartet man auch, wenn ein mehr oder weniger unbewaffneter Mob gegen eine Militärbasis zieht und die Herausgabe des Kommandanten fordert.

Interessant ist, was nun folgte. Die Atitecos zogen sich zurück, ließen die angeblich 13 Toten aber, wo sie waren. Sie sollten als Beweismittel dienen. Die Soldaten behaupteten später, sie seien von Guerilla attackiert worden, die Leiche eines 10 Jährigen vor den Toren des Camps widerlegte diese Behauptung aber mehr als eindeutig. Als nächstes wurde das Soldatencamp umringt und von der Außenwelt abgeschnitten. Niemand kam rein oder raus.

Eine Petition wurde verfasst, Beweisfotos aufgenommen und an die politischen Zirkel der Stadt übergeben. Die Neuigkeit machte die Runde und schließlich schickte der Präsident einen Ombudsmann nach Santiago. Schließlich waren bald Wahlen.


Die Angelegenheit nahm ein eher unerwartete Wendung, Grund genug für die Soldaten, bei Nacht und Nebel zu fliehen. Die Geschichte endete nicht nur friedlich sondern mit einem Erlass des Präsidenten Vinicio Cerezo (der Ombudsmann gewann die anstehende Wahl), der das Militär für immer aus Santiago verbannte. Das war jetzt die Kurzfassung aber so ungefähr begab es sich und wer sich mit Guatemalas Geschichte beschäftigt hat, wird verstehen, wie ungewöhnlich dieses Happy End war.


Aktivitäten

Kommen wir aber endlich zur Stadt selbst. Eines der Highlights von Santiago Atitlán sind die lokalen Trachten. Die Männer zum Beispiel laufen in knielangen gestreiften Hosen herum. Die Mehrheit der Einwohner sind Maya und man bekommt schon mal zu hören, dass ihr spanisch nicht so toll sei. Das halte ich offen gestanden aber für unglaubwürdig und ganz besonders aus dem Mund eines Stadtführers. Immerhin folgen viele von ihnen noch den "alten Riten", in den Hinterzimmern der Häuser hängen also nicht nur Kreuze.


Santiago Atitlan KonventDie Touristenführer sind übrigens eine echte Plage. Besonders wenn wenig los ist, entkommt man denen so gut wie gar nicht. Das mindestens, was tun sollte, ist bis aufs Messer zu feilschen. Mehr als 80 Q würde ich nicht zahlen. Wenn man sich einmal durchgerungen hat zu zahlen, ist so ein Führer allerdings ganz praktisch. Als Individualreisender kommt man nämlich nicht an alle hier beschriebenen Orte.

Was einem fast sofort auffällt, wenn man per Boot in Santiago ankommt, ist, dass Santiago überhaupt nicht so aussieht wie erwartet. Es ist ein geschäftiges kleines Städtchen, mit unglaublich vielen wuseligen Menschen, viel zu viel Touristen, Verkehr, dreckig, laut und – das ist die eigentliche Überraschung – mit nichts zu sehen. Die Liste der Sehenswürdigkeiten ist so kurz, dass man sie mühelos auf einen Kirschkern gerben könnte.


Die Hauptkirche am Marktplatz stammt angeblich aus dem Jahre 1547. Ich würde sie einfach mal als seltsam beschreiben. Sie ist kein bisschen imponierend, dafür aber ausgesprochen … ja da fällt mir jetzt kein schönes Wort ein. Seltsam habe ich ja schon benutzt. Sie hat den Charme einer Scheune und ist dekoriert mit etwas gewöhnungsbedürftigen Schaufensterpuppen in seltsame Outfits. Immerhin der Seitenhof ist schön. Da ist wenig los und man kann sich von den Menschenmassen draußen erholen.

Viel interessanter ist da schon das Konvent, dass sich direkt an die Kirche anschmiegt. Um es zu besichtigen, braucht man einen Schlüssel und den hat Francisco. Francisco war mein Führer und er behauptete, er sei der Einzige, der diesen Schlüssel hat. Na ja, ganz im Geiste Santiagos sage ich dazu mal: Wer es glaubt wird selig.

Santiago Atitlan KonventDas Konvent ist jedenfalls sehr sehenswert. Um einen charmanten kleinen Innenhof schmiegen sich die einstöckigen Anbauten. Mit einem der Gebetsräume verbindet sich eine ganz besondere Anekdote. Sie handelte von einem Priester der in dem Raum angeschossen wurde und entweder überlebte oder auch nicht, die Ausführungen meines Führers waren da recht abstrus. Man kann jedenfalls rein und sich umsehen, wenn man denn Francisco dabei hat.

Mein ganz persönliches Highlight der Stadt ist allerdings das Maya Idol Maximón. Dabei handelt es sich um eine etwas seltsam gewandete Figur, von der man eigentlich nur das Gesicht sieht. Ich habe ihr ein eigenes Kapitel gewidmet, da die Geschichte mit dem Maya Idol einfach nur beknackt ist und auf so etwas stehe ich. Einfach hier klicken …



Viel mehr gibt es in Santiago offen gestanden nicht zu sehen. Der Markt ist nichts Besonderes, als besonders günstig würde ich ihn auch nicht einstufen. Da gibt es bessere Angebote in zum Beispiel Panajachel.


Würde ich die Nacht in Santiago verbringen? Nein. Es ist laut, schmutzig, unansehnlich, zu viel Verkehr und der Qualm aus den angeblich 1000 Holzfeueröfen tut sein übriges.


Empfehle ich einen Besuch? Absolut; und sei es nur um Maximón eine Fluppe anzubieten.




Hin- und Wegkommen

Nach Santiago würde ich persönlich per Boot von Panajachel fahren. Von San Pedro La Laguna geht es theoretisch wohl auch, aber ab späteren Nachmittag nur noch per Privatem Boot für extra teuer.

 

 








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